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Wiener Werkstätte

 

Diese Gemeinschaft von Künstlern und Kunsthandwerkern wurde 1903 in Wien von dem Architekten Joseph Hoffmann, dem Maler Koloman Moser und dem Bankier Fritz Wärndorfer ins Leben gerufen. Die Wiener Werkstätte ging aus der Wiener Secession hervor, an deren geometrisches Formenvokabular des Jugendstils sie unmittelbar anknüpfte. Neben der Herstellung von wertvollem Kunstgewerbe, Gold- und Silberschmuck, Mode und Buchkunst wurden Möbel produziert und komplette Inneneinrichtungen durchgeführt. Das übergeordnete Ziel bestand in der künstlerischen Gestaltung aller Lebensbereiche, verbunden mit der wechselseitigen Durchdringung der Künste.

1905 kam Gustav Klimt von der Wiener Secession hinzu; die Wiener Werkstätte umfasste in diesem Jahr bereits 100 Mitglieder. Das 1905 bis 1911 errichtete Palais Stoclet in Brüssel gilt als eines der wichtigsten Beispiele für den alle Ausstattungsbereiche umfassenden, frühen Stil der Wiener Werkstätte. An der sich durch eine geometrische, kubische Sachlichkeit auszeichnenden Gestaltung waren beispielsweise Gustav Klimt, Michael Powolny, Berthold Löffler, Carl Otto Czeschka sowie die Bildhauer Richard Luksch und Franz Metzner beteiligt. 1907 führte die Wiener Werkstätte nach Plänen Hoffmanns den Bau und die Innenraumgestaltung des Theaters und Kabaretts «Fledermaus» in Wien durch. Auch die zugehörigen Plakate, Einladungskarten und Programmhefte zeigen die charakteristischen Stilmerkmale der Wiener Werkstätte, die sich im gleichen Jahr an der Gründung des Deutschen Werkbunds beteiligte.

1908 traten Eduard Josef Wimmer und 1915 der Architekt und Designer Dagobert Peche ein, unter deren Einfluss sich die künstlerische Ausrichtung von geometrisch bestimmter Funktionalität in einen fantasievollen Ornamentstil veränderte, der sich von der praktischen Zweckmäßigkeit entfernte. 1914 wurde nach dem Ausscheiden Wärndorfers das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft verwandelt, wobei die Bankiers Primavesi die Hauptanteile erwarben. Die ungewöhnliche Linienstruktur und überbordende Ornamentik Peches wurden für die Wiener Werkstätte von nun an stilbildend. Unter Peche, Wimmer und Max Scuischek kam in den frühen 20er-Jahren dem Mode- und Textildesign immer größere Bedeutung zu, sie hatten am Weltruf der Wiener Werkstätte maßgeblichen Anteil. Doch zunehmend war das verspielte, luxuriöse Dekor einer wachsenden Kritik ausgesetzt, die 1927 in einem scharfen Angriff des Architekten Adolf Loos gipfelte. Bereits 1926 trat durch den Konkurs der Familie Primavesi eine erhebliche wirtschaftliche Schwächung der Wiener Werkstätte ein, die schließlich 1932 geschlossen werden musste. 1939 erfolgte die Streichung aus dem Handelsregister.

Während der sachliche, funktionale Stil Hoffmanns und Mosers dem Deutschen Werkbund und dem Bauhaus wichtige Impulse verlieh, übten die dekorativen Gestaltungsprinzipien Peches und Wimmers auf das französische Art déco einen wichtigen Einfluss aus. Die Wiener Werkstätte zählt zu den bedeutendsten Zentren des Kunsthandwerks im frühen 20. Jahrhundert. © Königsdorfer Medienhaus, Frechen (René Zey)

 

www.neue-wiener-werkstaette.co.at

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